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KI aus Oberösterreich: Wie Startups reale Arbeitswelten neu denken

Quelle: Karriere News. Karriere Magazin – Februar/März 2026 Ausgabe

Wenn akademisches Wissen auf reale Baustellen trifft

Zwischen Formeln und Baustellen liegt ein Raum, in dem Theorie praktisch wird. Genau dort bewegt sich die DELEP GmbH und entwickelt ein KI-System, das Elektroplanung neu denkt: schneller, präziser und passend zum digitalen Wandel der Bauwirtschaft.

Dipl.-Ing. Manuel Ruckerbauer und Dipl.-Ing. Gerold Dürnle haben im Studium festgestellt, wie faszinierend mathematische Modelle sein können. Heute wenden sie dieses Wissen direkt an: Ihre Software DeepLearnElectroPlan analysiert Baupläne, erkennt Räume, Wände und Symbole und erzeugt automatisch vollständige Elektroinstallationspläne samt Materialliste sowie PDF- und DXF-Export. Was früher viele Stunden dauerte, entsteht nun in Minuten.

Für Manuel schließt sich damit ein Kreis. Während seines Studiums an der JKU arbeitete er als Elektroplaner und hätte sich ein solches Werkzeug gewünscht. „Wir bauen heute das System, das ich früher gebraucht hätte, und machen es allen in der Baubranche zugänglich“, sagt er.

DELEP richtet sich an Elektrounternehmen, Planungsbüros, Entwickler und Baufirmen. Das Ziel: präzisere Pläne, weniger Fehler und mehr Fokus auf Qualität statt Routine. Ein klarer Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.

Wobei konnte euch das Programm von tech2b besonders unterstützen?
tech2b half uns, unsere Forschungsideen zu einem marktfähigen Produkt weiterzuentwickeln, speziell durch fachliche Begleitung zu Geschäftsmodell und Strukturierung.

Welche Botschaft wollt ihr Gründungsinteressierten mitgeben?
Wer gründet, lernt nach der Universität ganz natürlich weiter. Nicht aus Büchern, sondern im Tun. Der Weg ist selten gerade, aber genau das bringt persönliche und fachliche Entwicklung sowie Freude am Gestalten.

DELEP Team Fotorechte Nora Forsthuber (Studio Nova)

Die Telefon-KI, die Arztpraxen spürbar entlastet

Während auf Baustellen Effizienz zählt, ist sie auch im Gesundheitsbereich entscheidend. In vielen Ordinationen klingelt das Telefon pausenlos – während Patient:innen an der Anmeldung stehen und das Team ohnehin am Limit ist. Genau hier setzt Ordicall an: Die Telefon-KI nimmt Anrufe rund um die Uhr entgegen, erkennt das Anliegen (Termin, Rezept, Befund, Überweisung, Rückfrage), stellt gezielte Folgefragen und übergibt alle Informationen als klar strukturierte Nachricht an das Praxisteam – inklusive Kontaktdaten, Dringlichkeit und Zusammenfassung. So gehen weniger Anrufe verloren, Rückrufe werden planbar und Patient:innen erhalten schneller Orientierung, auch wenn das Team gerade in Behandlung ist.

Zusätzlich entlastet Ordicall nicht nur das Team, sondern kann auch den Umsatz messbar steigern: Jeder nicht angenommene Anruf ist potenziell ein verlorener Termin. Bei einem Kunden liefen vor dem Einsatz von Ordicall rund 60 % der Anrufe ins Leere. Mit Ordicall werden diese Kontakte nun zuverlässig entgegengenommen, strukturiert erfasst und als umsetzbare Anliegen an das Team übergeben. Das Ergebnis sind deutlich weniger verpasste Terminanfragen, mehr planbare Rückrufe und eine spürbare Umsatzsteigerung durch zusätzliche gebuchte Leistungen.

Ordicall ist praxisnah aufgebaut: Abläufe lassen sich je Ordination konfigurieren (z. B. Terminwünsche, Rezeptbestellungen, Befundabholung), inklusive klarer Eskalation bei Notfällen und Hinweis auf den ärztlichen Notruf. Optional können SMS-Bestätigungen oder Rückrufhinweise versendet werden. Die erfassten Daten lassen sich direkt analysieren, um wiederkehrende Anliegen und Stoßzeiten klar zu identifizieren.

Ordicall wird von einem Linzer Team entwickelt, in enger Zusammenarbeit mit Ärzt:innen aus Österreich – mit dem Ziel, Medizin wieder mehr Zeit für Menschen zu geben.

Wobei konnte euch das Programm von tech2b besonders unterstützen?

tech2b hat uns vor allem beim Schärfen des Product-Market-Fits geholfen – durch Mentoring, kritisches Sparring und Zugang zu einem starken Netzwerk. Zusätzlich war die Unterstützung bei Positionierung, Go-to-Market und Strukturthemen extrem wertvoll.

Welche Botschaft wollt ihr Gründungsinteressierten mitgeben?

Gründet so nah wie möglich an echten Problemen: Redet jede Woche mit eurer Zielgruppe und baut nur das, wofür jemand wirklich Zeit oder Geld hergibt. Startet klein, liefert schnell, messt Wirkung und verbessert iterativ – Perfektion bremst. Denkt früh an Vertrieb und Distribution: Ein gutes Produkt ohne klaren Akquise-Kanal bleibt ein Hobby. Und: Sucht euch Mentoren und Netzwerke, die ehrlich challengen, nicht nur applaudieren.

 

Bildrecht Ordicall: Roland Pelzl (cityfoto)

Bildrecht Delep: Nora Forsthuber (Studio Nova)

 

 

 

Ordicall Fotorechte Roland Pelzl (cityfoto)
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