„Wenn es das noch nicht gibt, warum machen wir es nicht selbst?“

(Quelle: DIE MACHER)

7hauben
Während seiner Studienzeit nutzt Johannes Sailer seine Freizeit gerne, um aufwendig zu kochen. Irgendwann fällt ihm auf: Hochwertige Plattformen für Online-Kochkurse gibt es zwar in den USA, nicht aber für den deutschsprachigen Raum. „Mein Co-Founder Wolfang Strimmer und ich haben uns dann gedacht: Wenn es sowas bei uns noch nicht gibt, warum machen wir das nicht selbst?“, erinnert sich Gründer Johannes Sailer. 2017 melden die beiden das Unternehmen an, Anfang 2018 werden dann die ersten Onlinekurse mit Starkoch Georg Essig produziert. „Unsere Kunden kaufen online den Zugang zu den Kursen, wir kriegen eine Gewinnbeteiligung, der Rest geht an die Köche, mit denen wir produzieren“, erklärt Sailer, „für die ist das spannend, gewinnbeteiligt zu sein, weil sie normalerweise meist nur Gagen kriegen.“ Während der Coronakrise verzeichnete 7hauben einen wahren Boom – die Benutzerzahlen stiegen massiv an.

„Derzeit haben wir etwa 10.000 zahlende Kunden, wir planen gerade die Einführung einer Abo-Funktion“, sagt Sailer. Mehr als 80 Prozent der Zugriffe kommen aus Deutschland, der Rest ist auf Österreich und die Schweiz verteilt. Auch außerhalb Europas wird expandiert – und zwar nach Japan. Sailer: „Wir werden japanische Brotbackkurse produzieren, dort gibt es eine große Nachfrage danach.“ Um die restlichen Märkte in Europa zu erschließen, ist eine Übersetzung der Kurse ins Englische angedacht. Eines will man bei 7hauben übrigens nicht: nur Rezepte vermitteln. „Wir wollen den Menschen das Kochen von Grund auf beibringen, sodass einzelne Prozesse verstanden und dann selbstständig angewandt werden können“, sagt Sailer.

Celantur
Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr weiß Alexander Petkov um ein Problem bei der Einsatzdokumentation: Passanten oder Kennzeichen müssen auf Fotos aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht werden, händisch ist das zeitraubend und mühsam. „Ich habe für mich selbst dann zum Test eine Software programmiert, die das automatisch kann“, erinnert sich Petkov. Weil er gleichzeitig schon gut vernetzt in der Start-up-Szene ist und schon länger mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, kündigt er kurzerhand seinen bisherigen Job und gründet Celantur. In Machine-Learning-Spezialisten Boyang Xia findet er schnell einen Co-Founder mit optimalem Profil für das Start-up. Denn die Software wird stetig verbessert, um Kennzeichen und Gesichter besser zu erkennen und anschließend zu verpixeln. Das ist auch nötig, erklärt Xia: „Verpixel-Apps gibt es auch für Smartphones, da werden vielleicht 80 Prozent der Personen am Bild erkannt. Für den Bereich, in dem wir tätig sind, sind schon 98 Prozent oder mehr nötig.“

Zu den Kunden zählen etwa Unternehmen im Industriesektor, die mobile Karten erstellen und Landschaften visualisieren. Das Linzer Start-up hat derzeit keinen einzigen Kunden in Oberösterreich. „Wir sind sehr europafokussiert“, sagt Petkov. Verrechnet wird pro verpixeltem Bild, die angebotene Bildmenge reicht von wenigen hundert bis zu einer Million. „Unser größter bisheriger Auftrag hatte ein Volumen von 70.000 Bildern“, sagt Xia. "Derzeit arbeitet Celantur an einer Selbstservice-Plattform, um das Onboarding von Neukunden zu beschleunigen. „Dann können sich unsere Kunden einloggen, selbstständig Bilder hochladen und bekommen dann nach einigen Stunden eine Benachrichtigung, wenn der Anonymisierungsvorgang abgeschlossen ist“, erklärt Petkov.

Yokai Studios
Das Linzer Start-up Yokai Studios verwendet Technologien des 21. Jahrhunderts, um Gestaltung, Produktion und Showaspekte von Mode neu zu denken. „Ich habe bei Puma in Deutschland und bei einem kleinen Modelabel in Schweden gearbeitet und in dieser Zeit erkannt, dass in der Mode- und Textilbranche generell ein Umbruch herrscht“, sagt Gründer und Kunstunistudent Michael Wieser. Die Produktions- und Darstellungsmethoden von Kleidung haben sich seit der zweiten Industriellen Revolution nicht mehr verändert – das würde sich jetzt ändern. „Wir haben im Sommer 2019 gegründet und sind derzeit hauptsächlich noch mit Forschung und Entwicklung beschäftigt. Unser Ziel ist es, mithilfe von 3-D-Daten Bekleidung zu visualisieren und herzustellen“, sagt Wieser.


Yokai Studios ist durch ein EU-Forschungsprojekt namens ReFREAM gefördert und im Makerspace Grand Garage in der Tabakfabrik beheimatet. Derzeit wird nach einem Pilotkunden für ein Proof of Concept gesucht, wann der Markteintritt erfolgt, ist noch nicht sicher. Mit einem Nebenprodukt des eigentlichen Forschungsziels wird aber jetzt schon auf sich aufmerksam gemacht: Auf Messen können durch performative Roboterinstallationen Textilien live vor Ort bedruckt werden – mit Schriftzügen oder Bildern, die Kunden auf einem Tablet personalisieren und platzieren können.

Der Name stammt übrigens aus der japanischen Mythologie. „Yokai sind Fabelwesen, übersetzt steht der Begriff für Formwandler“, erklärt Wieser, „wir wandeln auch 3-D-Daten zum Kreieren von Bekleidung um.“

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