Startups For Future

(Quelle: Chefinfo Sondermagazin Startup S. 38)

Die Zahl von Startups, die sich nachhaltigen Geschäftsideen widmen, steigt rapide an. Vorhang auf für Energie aus Klärschlamm, Lebensmittelretter, Regionalshopper, emissionsfreie Weltumsegler, dörfliche Hightech-Läden und Elektromobilisten.

GREEN SENTINEL: GRUNER SUPERHELD
Der Firmenname „Green Sentinel“ klingt wie ein Superheld aus den Marvel Studios und tatsächlich könnte die Innovation des Welser Unternehmens Superkräfte entfachen – und zwar aus Klärschlamm. „Durch meine Ausbildung als Biotechnologe und meine Projekterfahrung im Anlagenbau sowie im Kläranlagenbereich kam die Initialzündung über Nacht“, schildert Gründer Daniel Scheiböck-Ortner. Sein Grundgedanke: Es muss eine einfache Lösung geben, um aus Klärschlamm einen Wertstoff zu machen. Scheiböck-Ortner entwickelte ein erstes Grobkonzept zum RSR-Verfahren (RSR = Recovered Sludge Resources). Dieses Verfahren verwertet Schlamm aus kommunalen Kläranlagen mit Trockensubstanz-Gehalten und bereitet ihn zu einem Ersatzbrennstoffprodukt bzw. einem Düngemittel-Ausgangsstoff auf. „Unsere Innovation macht die sonst teure Schlammentsorgung als einziges Verfahren weltweit zu einem lukrativen Geschäftsmodell. Gleichzeitig leisten wir damit einen entscheidenden Beitrag, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern und tragen so zur Erreichung der internationalen Klima- und CO2-Ziele bei.“

GEWINNE STATT KOSTEN
Green Sentinel bietet seinen Kunden einen „One-Stop-Shop“: von der Erstanalyse des Schlamms über die Planung bis hin zur Errichtung sowie Wartung und Instandhaltung der RSR-Anlagen. „Unsere Anlagen werden modular je nach Kundenanforderung geplant und vor Ort fix installiert oder auch mobil in mehreren Containern im ISO-Format geliefert.“ Schlamm wird dabei durch den RSR-Prozess und mehrere Aufbereitungsstufen zu einem flüssigem NPK-Dünger-Ausgangsstoff (Stickstoff-Phosphor-Kalium) und einem vollwertigen Ersatzbrennstoff verarbeitet. Es fallen keine zusätzlichen Entsorgungskosten an, die Wertschöpfung wird im Prozess generiert.

 

AUS KLÄRSCHLAMM WIRD ENERGIE
Mittels Radlader oder Bagger wird der Schlamm in den optionalen Schlammannahmecontainer transportiert. Dieser Container dosiert die notwendige Schlamm-Menge für den Hauptprozess. Alternativ kann die Aufgabe auch direkt aus dem Bestand über einen Rohranschluss erfolgen. Im Prozessmodul geschieht der Kern des RSR-Verfahrens zur Schlammaufbereitung. „Mithilfe des speziellen Lösungsmittels PecuLeach® werden bis zu 80 Prozent der anorganischen Komponenten aus dem Trockengut herausgelöst.“ Diese werden zur weiteren Verwertung als NPK-Düngemittel für die chemische Industrie abgefüllt. Der raffinierte Schlamm kann in einem weiteren Schritt getrocknet werden. „Es entsteht ein Ersatzbrennstoff vergleichbar mit Pellets, der durch Verbrennung thermisch genutzt werden kann und Wärme zurück ins System abgibt.“ Die erste Anlage wird an der belgisch-deutschen Grenze im Herbst 2021 entstehen. „In weiterer Folge wollen wir mit dem RSR-Verfahren Kläranlagen in Österreich, Deutschland, Schweiz, den Benelux- Ländern und Osteuropa bestücken und somit einen ökologischen und ökonomischen Mehrwert für die Umwelt und die Anlagenbetreiber generieren.“ Green Sentinel wurde im August 2020 gegründet und hat bereits acht Mitarbeiter. Der „grüne Wächter“ wurde 2020 zu den Top-3-Startup- Unternehmen von greenstart gereiht.

(c)greenstart

DORFLADENBOX: LOCAL VILLAGE
Startups setzen sich Meilensteine, so auch die Gründer der Dorfladenbox. „Wir wollten 2021 fünf Dorfladenboxen verkaufen, dieses Ziel haben wir im Februar schon erreicht“, erzählt der Softwareentwickler Thomas Fellinger. Die allererste steht bei dem Landwirt und Co-Gründer Johannes Fischerleitner. „Die Dorfladenbox ist ein smarter physischer Verkaufsraum für sämtliche handwerklich produzierte Produkte aus der Region. Kunden können mittels App 24/7 bargeldlos einkaufen. Die verknüpfte Dorfladenbox-Cloud automatisiert im Hintergrund die Verwaltung der Lieferanten, die Nachbestellungen der Produkte und die Dokumentationen wie Zutritt, Kühlkette etc.“

HIGHTECH TRIFFT DORF
Die Geschichte des fixfertigen Hightech-Dorfladens begann vor fünf Jahren. Fellinger und seine Frau schworen, sich regionaler zu ernähren und stießen gleich auf das Grundproblem: die oft begrenzten Öffnungszeiten. Neben all den Arbeiten am Hof sollten die Landwirte auch noch im Laden stehen, für viele einfach nicht schaffbar. Dazu bekam man gewisse Produkte nur bei bestimmten Landwirten. Das alles wird mit der Dorfladenbox gelöst. „Jede Dorfladenbox benötigt einen regionalen Betreiber, der sich um die Lieferanten und Kunden kümmert. Meistens ist das einer der Lieferanten selbst. Der eigentliche Betrieb der Dorfladenbox erfolgt dann von der Nachbestellung bis hin zur Buchhaltung weitestgehend automatisiert und hält dadurch den Arbeitsaufwand für den Betreiber stark in Grenzen.“

 

VOLLERWERB ZAHLT SICH WIEDER AUS
Johannes Fischerleitner hatte in seinem Hofladen bereits Produkte von 14 Bauern vereint, doch konnte er den Laden nur freitags bis 17 Uhr öffnen. „Im Herbst 2019 beschlossen wir dann, unsere Kräfte zu bündeln und eine zeitgemäße Verkaufslösung für regionale Produkte zu entwickeln.“ Während des ersten Lockdowns wurde der Prototyp geordert. Fellinger schrieb die Software dazu. Im August 2020 ging der erste Hightech-Dorfladen am Hof von Johannes Fischerleitner in Betrieb. Das Kundeninteresse war enorm. Mit der Hilfe von tech2b konnte an der Skalierung gearbeitet werden. Mittlerweile ist Fischerleitners Dorfladen umgesiedelt. Der Bürgermeister von Schleißheim regte an, den Laden ins Ortszentrum zu stellen, um noch mehr Kundschaft zu begeistern.

JAHRESSOLL IN NUR ZWEI MONATEN
„Mit Anfang des Jahres haben wir nun den ersten weiterentwickelten Prototyp bestellt, der wird nun Anfang April in Sipbachzell aufgestellt.“ Fünf Dorfläden sind bereits bestellt und das, obwohl die beiden Gründer erst dabei sind, einen Vertrieb aufzubauen. „Man benötigt nur rund 15 m2 Stellfläche und einen Starkstromanschluss. Um alles andere kümmern wir uns.“ Damit will das Team dem Sterben von Kleinbauern, Fleischerei- und Bäckereibetrieben entgegenwirken. „Unser eigentliches Ziel ist es, der kleinstrukturierten Lebensmittelproduktion wieder eine Zukunft zu geben und unsere Lebensmittelproduktion wieder regionaler, resilienter und nachhaltiger zu machen. Kleinstrukturierte Lebensmittelproduktion soll wieder im Vollerwerb funktionieren.“ Und es funktioniert! Aus diesem Grund wollen Fellinger und Fischerleitner bis 2026 Hundert Standorte schaffen. „Unser Konzept eignet sich auch gut zur Internationalisierung, die ist für Mitte 2022 geplant.“

Den gesamten Artikel gibt es hier!

Foto: Dorfladenbox

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