So wird dein Start-up kein F*ck-up

(Quelle: imLand.at)

Eine brilliante Idee und Leidenschaft: Sie sind die wichtigsten Zutaten für ein erfolgreiches Start-up. Die wichtigsten, aber eben nicht die einzigen. Rudolf Hittmair vom Linzer Startup-Inkubator tech2b gibt Tipps, die ehrgeizige Unternehmerträume einen Schritt näher an die Verwirklichung bringen.

Ein Erfolgsrezept für Startups – das gibt es leider nicht. Letzten Endes braucht es die richtigen Menschen und die richtigen Ideen zum richtigen Zeitpunkt. Dem Schicksal ausgeliefert sind Gründer deshalb aber Gott sei Dank nicht. „Heute ist die Startup-Szene sehr offen, alle tauschen sich gerne aus. Es gibt viele Angebote und Förderungen, mit denen einem geholfen wird“, sagt Rudolf Hittmair. Er selbst berät beim Startup-Inkubator tech2b in Linz Jungunternehmen und hat langjährige Erfahrung in der Start-up-Szene und als CEO.

Ganz allgemein gelte es aber bei jeder Gründung, einige Punkte zu beachten. „Aus unserer Arbeit wissen wir, dass gewisse Abläufe eigentlich allen jungen Unternehmen helfen, von der Idee zur Umsetzung zu kommen und erfolgreich zu werden“, so Hittmair. Hier sind seine Tipps für den erfolgreichen Start ins Startup:

1. Auf das Wesentliche konzentrieren
„Ein Businessplan mit 25 Seiten alleine bringt wenig– keiner hat Zeit, das zu lesen. Wenn die Executive Summary nicht schon mitreißend genug ist, hat das Unternehmen keine Chance“, sagt Hittmair. Sein Vorschlag: In 500 bis 1000 Zeichen zusammenfassen, was genau die Idee hinter dem Startup ist. „Der Businessplan hat natürlich seine Daseinsberechtigung, aber zuerst müssen Gründer lernen, ihre Idee auf das Entscheidende herunterzubrechen. Das weckt auch am ehesten Interesse bei Investoren.“

Hittmairs Faustregel: Je länger eine Geschäftsidee erklärt werden muss, desto schlechter ist sie oft. „Da gibt es natürlich Ausnahmen, aber wer zum Darlegen seiner Idee sehr lange braucht, hat oft selbst noch keine klare Vision für sein Unternehmen – und die braucht es unbedingt.“

 

2. Wirtschaftlichen Tatsachen ins Auge blicken
„Konkurrenz gibt es keine, das hat keiner vor uns gemacht.“ Im ersten Moment klingt das zwar sehr smart und selbstbewusst, bei erfahrenen Investoren und Managern erstickt dieser Satz aber oft das Interesse im Keim. „Wenn es sonst keiner macht, heißt das oft, dass auch niemand mein Produkt braucht“, so Hittmair. Wettbewerb sei immer vorhanden: Ein ähnliches Produkt, ein alternativer Weg, die Dienstleistung anzubieten. Auch hier rät Hittmair: In 500-1000 Zeichen zusammenfassen, wie die Wettbewerbssituation aussieht und wer die potentiellen Kunden sind.

„Außerdem ist es wichtig, sich Gedanken über das Geschäfts- und Erlösmodell und eine Strategie zur Markterschließung zu machen. Das ist natürlich ein wesentlicher Faktor für jedes Unternehmen“, so Hittmair. Auch die eigene wirtschaftliche Situation sei zu bedenken: „Je jünger die Gründer sind, desto weniger Verpflichtungen haben sie meist. Ältere Gründer haben vielleicht Familie oder sind anderweitig finanziell gebunden. Es braucht eine realistische Einschätzung der Gründer, was sie selbst stämmen können, mit welchen Einnahmen und Ausgaben sie rechnen können und ob sich das am Ende rechnet.“

3. Ausprobieren und Experimentieren
Die Produktentwicklung im einsamen Kellerlabor gehört der Vergangenheit an. „Früher war die Sorge oft groß, dass einem die Geschäftsidee geklaut wird. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Das passiert eigentlich nie“, so Hittmair. Sein Rat: Ehestmöglich eine frühe Version des Produktes entwickeln und im besten Fall auch gleich einen Erstkunden finden. „In der praktischen Anwendung zeigen sich einfach sehr schnell Kundenbedürfnisse, und die zu erfüllen ist ja letztlich das Ziel jeder Dienstleistung und jedes Produktes.“ Ist ein Angebot schon praxiserprobt, sei das auch ein starkes Argument für Investoren und beim Beantragen von Förderungen.

4. An Netzwerke anknüpfen
„Die Startup-Community steht in sehr regem Austausch, es werden Beziehungen geknüpft, die oft auch zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit führen“, sagt Hittmair. Diese Netzwerke seien auch vor dem Unternehmensstart schon wichtig, um ein Gespür für den Unternehmergeist in der Gründerszene zu bekommen. „Oft gibt es dort Tipps für Förderungen oder Unterstützungsstellen oder auch wertvollen Input zur Geschäftsidee an sich“, so Hittmair. Dabei müsse man das Rad nicht neu erfinden: „Man muss sich nicht sein eigenes Netzwerk spinnen, es gibt ja schon sehr gut vernetzte Gruppen, die auch offen für Neuzugänge sind.“

„Ein Businessplan mit 25 Seiten bringt wenig – keiner hat Zeit, das zu lesen.“ Rudolf Hittmair, Start-up Berater bei tech2b

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