Raphael Friedl: „Nach Schockstarre ging es rasch wieder los“

Raphael Friedl vom oö. Start-up-Förderer tech2b über den ersten Lockdown, Folgen und Lehren

Etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem ersten Lockdown befindet sich Österreich nun wieder in einer Zeit des gemäßigten Herunterfahrens.

Auch für Jungunternehmen in ihrer Anfangsphase eine schwierige Situation. Raphael Friedl, Geschäftsführer des oö. Start-up-Förderers tech2b spricht im Interview über Erkenntnisse aus der Krise und warum es auch positive Seiten gab.

VOLKSBLATT: Die Zeiten werden wieder unsicherer, wie haben Sie als tech2b-Geschäftsführer die erste Phase im März erlebt?
RAPHAEL FRIEDL: Die ersten Wochen des Lockdowns waren auch bei unseren Start-ups mehr oder weniger Schockstarre. Es waren ja viele externe Partner, sei es Forschungseinrichtungen oder Unternehmenskunden, einfach nicht erreichbar. Dann hat sich aber gezeigt, dass viele wieder rasch ins Geschäft gekommen sind. Vor allem jene, die sich hauptsächlich über Förderungen und Investments finanzieren.

Ist der Schock nun wieder so groß?
Nein, alle haben mehr oder weniger erwartet dass etwas in diese Richtung kommt.

Hilft es auf Erfahrungswerte zurückgreifen zu können?
Ich erlebe den Übergang diesmal sehr geordnet – da helfen natürlich die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown.

Tun sich Start-ups bei der Umstellung im Lockdown vielleicht sogar leichter?
Die Mehrheit der von uns betreuten Unternehmen ist in digitalen Bereichen tätig und selbst stark digitalisiert. Da war auch der Umstieg auf Home-Office kein Problem bzw. hatten viele ohnehin schon derartige Modelle.

Gab es dennoch Ausfälle seit dem Ausbruch der Krise?
Die negativen Auswirkungen hielten sich in Grenzen. Wirkliche Corona-Ausfälle hat es nicht gegeben. Bei jenen, die aufgeben mussten, war die Entwicklung schon im Vorfeld absehbar, teilweise wurde sie beschleunigt. Ein Weitertun wie bisher wird des dennoch bei den Wenigsten gewesen sein. Viele mussten Pläne verschieben. Vor allem jene, die größere Industrieunternehmen als Kunden haben. Hier wurden viele Investitionen und Projekte zurückgehalten. Aber oft haben auch Hilfen des Bundes und Landes geholfen.

 

„Braucht Lösung vor Fälligkeit von Zahlungen“

Die finanziellen Ressourcen bei Jungunternehmen dürften ja enden wollend sein.
Das ist richtig. Vor allem bei Start-ups ist der finanzielle Grundstock nicht im Großen vorhanden. Daher gibt es nun doch einen gewissen zeitlichen Wettkampf. Sollte es zum Ende der Stundungen kommen bevor es einen Impfstoff bzw. eine Lösung gibt, dann wird es eine große Welle an Insolvenzen geben. Aber nicht nur bei Start-ups.

Gibt es in der Krise den Hang, vermehrt zu gründen?
Seit Mai haben wir gesehen, dass wir 20 bis 30 Prozent mehr Gründungsinteressenten haben. Viele – auch Hochqualifizierte – haben die Kurzarbeit genützt, um eigene Ideen und Vorhaben voranzutreiben. Dieser Umstand, gepaart mit der Jobunsicherheit, hat hier viele beflügelt. Auch die Förderungen waren und sind ja vorhanden.

Mit einem halben Jahr Abstand: Waren es eher Notgründungen oder waren wirklich gute Konzepte dabei, von denen sie sich in Zukunft viel erwarten?
Wirkliche Notgründungen haben wir bei tech2b noch keine gesehen, aber es gibt schon gewisse krisenbedingte Trends. So hatten wir in der letzten Runde allein drei Einreichungen für regionale Nahversorgerplattformen. Zum Glück bekommen wir aber auch viele wirklich spannende Konzepte, wie zB. ein Start-up, dass sich mit der Übertragung von Mikrofilm auf Keramikplatten beschäftigt, die viele tausend Jahre haltbar sind. Das ist eine unschätzbare Technologie für viele Archive, deren Bestände dabei sind, zu zerfallen.

Kann man positive Aspekte aus der Krise mitnehmen?
Die Privatinvestorenszene ist sehr aktiv. Es gibt vermehrt Anfragen nach interessanten Start-ups. Vermögende sind gerade jetzt bereit Geld zu investieren. Diese Chance wollen wir auch unseren Unternehmen eröffnen, hier ergeben sich gute Möglichkeiten.

Mit tech2b-Geschäftsführer Raphael FRIEDL sprach Christoph Steiner

Raphael Friedl, tech2b Geschäftsführung

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