"Oberösterreichs Start-ups können mit der Weltspitze absolut mithalten"

[Quelle: OÖNachrichten]

Seit 1. Juli ist Raphael Friedl Geschäftsführer von tech2b, dem größten Start-up-Förderer in Oberösterreich. Der gebürtige Salzburger hat Markus Manz an der Spitze abgelöst – und einiges vor, wie der 36-Jährige den OÖN erzählt hat.

OÖNachrichten: Linz bzw. Oberösterreich hat sich als Start-up-Standort einen Namen gemacht. Welche Pläne hegen Sie?
Friedl: Oberösterreich hat zwar eine gute Basis, um zu gründen. Aber dann muss man relativ rasch den internationalen Markt erobern, um dauerhaft überleben zu können. Das gilt es zu verstärken. Und wir wollen noch mehr Spin-offs aus der Forschung hervorholen. Es geht darum, Forschung mit Wirtschaft zu verknüpfen.

Welche Rolle spielt tech2b in der heimischen Gründerszene?
Wir sind die zentrale und neutrale Drehscheibe zu allen Akteuren. 280 Gründungsvorhaben haben wir bereits begleitet.

Das bisher erfolgreichste geförderte Start-up war die Fitness-App Runtastic. Ist schon das nächste zu sehen?
Konsumenten-Apps werden immer seltener. Wir bemerken einen verstärkten Trend zu Hardware- und B2B-Start-ups, also solchen, die Produkte für Firmen entwickeln. Robart liefert etwa Steuerungen für Staubsaugerroboter, und datavisyn unterstützt Pharmafirmen, damit diese wissen, welche Wirkstoffe sie demnächst auf den Markt bringen müssen. Bei uns bei tech2b schlagen jedes Jahr 60 bis 70 Bewerbungen von Start-ups auf.

Trotzdem scheitern nach wie vor viele Start-ups.
Das liegt meistens am Team und nur selten an der Technik oder dem Geld. Viele treten alleine oder nur zu zweit an, das macht es schwierig.

Wo besteht noch Potenzial?
Es ist wichtig, internationale Investoren nach Oberösterreich zu holen. Unsere Start-ups können mit der Weltspitze absolut mithalten. Weder in Tel Aviv noch im Silicon Valley sind sie uns bei der technischen Basis voraus. Aber wenn wir ein Einhorn, ein Start-up mit einer Milliardenbewertung, herausbringen wollen, brauchen wir größere Finanzierungen, vor allem aus dem Ausland. Mit dem Hightech-Fonds sind wir in Oberösterreich gut aufgestellt, darüber hinaus gibt es aber noch Potenzial, das wir aufgreifen wollen.

Wie soll das funktionieren?
Es geht darum, wie groß man etwas denkt. Wir sind schon seit einigen Jahren dabei, ein internationales Kontaktnetzwerk aufzubauen. Nächste Woche haben wir eine erste Abstimmung mit einem mittelgroßen deutschen Investmentfonds. Die verwalten 250 Millionen Euro und investieren in Start-ups mit einem Volumen ab zwei Millionen Euro. Künftig sollen auch Veranstaltungen in Oberösterreich stattfinden, zu denen wir internationale Partner einladen.

Wie klappt das Zusammenspiel zwischen Start-ups und etablierten Firmen in Oberösterreich?
Sehr gut. Wir begleiten 17 heimische Leitbetriebe im Programm PIER 4 und gehen jetzt in die nächste Runde. Das Interesse ist ungebrochen groß. Die Branche erkennt das Potenzial von Start-ups.

Zahlen

  • 4756 Unternehmen wurden 2018 in Oberösterreich gegründet, um 66 mehr als 2017.
  • 2,4 Arbeitsplätze entstehen im Schnitt pro Gründung.
  • 280 Gründungsvorhaben begleitete tech2b seit 2002 bisher erfolgreich.

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