Innovative Lösungen für alte Probleme

(Quelle: DIE MACHER)

D3eif
Spediteure haben oft unterschiedlichste LKW in ihrer Flotte, die sie delegieren müssen. Und diese unterschiedlichen LKW werden über unterschiedliche Telematiksysteme überwacht, die nicht kompatibel sind – die Spediteure müssen also über verschiedene Tabs oder Browser am Computer arbeiten, um den Zugang zur gesamten Flotte nicht zu verlieren. Da verliert man leicht die Übersicht. Das Start-up D3eif hat eine Lösung für dieses Problem. „Wir haben eine Integrationssoftware für unterschiedliche Telematiksysteme, durch die alle harmonisiert werden und sich in nur einem Portal anzeigen lassen“, sagt D3eif-Gründer Gerhard Krempl.

Die Spediteure können also ihre gesamte Flotte auf einen Blick überwachen – das spart Zeit, Nerven und Geld. „Außerdem kommunizieren die verschiedenen Personengruppen in der Branche – wie etwa Auftraggeber, Disponent, Kunde, LKW-Fahrer – momentan meist noch über Telefon oder E-Mail“, erzählt Krempl, „da kann ein ziemliches Wirrwarr herauskommen, wer gerade welchen Informationsstand hat.“ Auch dafür bietet D3eif eine Lösung: Je nach Freigabe können alle Beteiligten sehen, wo sich ihr Fahrzeug gerade befindet, wie viel Zeit es noch benötigt oder wie groß die Verspätung sein wird. Krempl: „Kurz gesagt, wollen wir den Güterverkehr digitalisieren.“

 

Die Idee dazu ist Krempl und seinem Mitgründer Eduard Peterseil bereits 2015 gekommen – seitdem hat sich ihr Geschäftsmodell aber stark verändert. „Begonnen haben wir damit, Hardwareprodukte für die Branche zu entwickeln“,
sagt Krempl. Die Telematikhardware sammelte Fahrzeugdaten wie Tankzustand oder Bremsleistung und sendete sie in die Cloud, D3eif visualisierte diese Daten für die Kunden. „Am Markt haben wir dann aber die Rückmeldung bekommen, dass unsere Software eigentlich das Produkt ist, das uns so einzigartig macht“, erinnert sich Krempl, „also haben wir uns darauf konzentriert.“ Zudem steigt der dritte Mitgründer, der für das Hardwaregeschäft verantwortlich ist, aus. Von diesem Rückschlag lassen sich die zwei anderen Gründer aber nicht unterkriegen.

„Im Oktober ist unser Produkt fertig geworden, einige Vorreiter der Branche haben schon erkannt, welches Potential die Software für ihr Unternehmen hat“, sagt Krempl. 2020 will D3eif erstmals schwarze Zahlen schreiben, danach skalieren. Derzeit sind die Gründer, die ihr Unternehmen bisher fast ausschließlich eigenfinanziert haben, auf der Suche nach Investoren oder Partnern. „Wir sehen ein großes Potential, das wir so besser ausschöpfen können.“

Twinster
Etienne Koo und ihr Mitgründer waren schon vor der Gründung von Twinster selbstständig – im 3D-Bodyscanning- Bereich vermessen sie Personen digital und erstellen dann Avatare für verschiedene Applikationen. „Wie das so ist, hatten wir in der Selbstständigkeit wenig Zeit. Bei Kleidung haben wir auf Onlineshopping zurückgegriffen“, erinnert sich Koo. Den Gründern fällt auf, dass die 3D-Avatare, mit denen sie sich beschäftigen, dort noch nicht zum Einsatz kommen. „Wir haben dann begonnen, einen Algorithmus zu schreiben, der aufgrund von bestehenden 3D-Scans und Daten erkennt, welche Kleidungsstücke zu welchen Benutzern passen“, sagt Koo. Es sei schnell klar gewesen, dass das Konzept auch ohne 3D-Scanner vor Ort funktionieren müsse. „Wenn ich die Scanner in Österreich habe, die Kunden aber in Großbritannien sind, dann nutzt das nichts“, erklärt Koo.

Dieser Algorithmus wird kostenlos in der App „Show my Size“ zur Verfügung gestellt. „Die User beantworten ein paar Fragen, geben Körpergröße, Gewicht, Geschlecht und andere Parameter an, danach wird aus diesen Informationen die passende Kleidung aus einem großen Datenpool erahnt“, erklärt Koo. Vielen Menschen würde es nichts bringen, wenn sie  Kleidungsstücke an Models sehen. „Ich brauche Referenzen von Personen, die so aussehen wie ich selbst.“

Seit 2018 arbeitet Koo an Show my Size, 2019 erschien die App. „Der Anfang war schwierig“, erinnert sich Koo, „mit einem Produkt Fuß zu fassen, das im Augenblick noch nicht massentauglich ist, ist nicht leicht.“ Mittlerweile ist das gelungen – das Unternehmen hat zahlreiche Partnerschaften mit Modeunternehmen, auf deren Onlineshops weiterverlinkt wird. Das ist auch das Geschäftsmodell der App: Show my Size bekommt prozentuelle Anteile für alle Verkäufe, die über diese Links getätigt werden. Für die Appnutzer bleibt das Angebot kostenlos. „Die meisten unserer Nutzer kommen nicht aus  Österreich, sondern aus Großbritannien und Frankreich, einige auch aus Deutschland“, sagt Koo.

Mittlerweile besteht das Team der App aus sechs Personen. Koo: „Anfang 2020 werden wir einige Neuanfänge haben, wir wachsen ständig weiter und sind auf der Suche nach neuen Developern.“ Bei der Suche nach Mitarbeitern richtet man den Blick vorwiegend ins Ausland. „Wir haben ein sehr internationales Team, die Officesprache ist Englisch, wir zahlen unseren Mitarbeitern aber Deutschkurse und kümmern uns um die Rot-Weiß-Rot-Karte“, sagt Koo. In Zukunft will man in den jetzigen Märkten die Nummer eins werden und die Präsenz weiter ausbauen. Koo: „Wir haben uns sehr sportliche Ziele gesetzt was Userwachstum betrifft, die App wird sehr gut angenommen.“ Was man sich aber auf jeden Fall aus der Anfangszeit beibehalten will, ist der ständige Kontakt mit den Usern. „Wir reden direkt mit ihnen. Wenn die App Fehler hat, bimmelt bei uns das Handy“, sagt sie.

Symflower
Für IT-Tester und Entwickler ist es die mühsamste Arbeit: Das Finden von Fehlern im Code. „Es ist eine langwierige und oft frustrierende Aufgabe“, sagt Markus Zimmermann. Gemeinsam mit Evelyn Haslinger hat er das Start-up Symflower gegründet, das sich auf automatisches Softwaretesten und Qualitätssicherung spezialisiert hat. „Unser Algorithmus testet automatisch Programme, ob sie sich so verhalten, wie sich deren Entwickler das vorstellen. Dabei werden Fehler erkannt und gemeldet“, erklärt Haslinger. Der Symflower-Algorithmus liest direkt den Scourcecode und analysiert alle Pfade sämtlicher Funktionen.

„Bei jeder einzelnen Operation wird berechnet, ob es zu einem Fehlerfall kommen kann“, sagt Zimmermann. Symflower ist für jede beliebige Softwares anwendbar. Seit etwas mehr als drei Jahren arbeiten die beiden an dem Projekt, die GmbH wurde im April 2018 gegründet. Die beiden lernten sich in der allerersten Vorlesung ihres Informatikstudiums kennen, eine gemeinsame Gründung war damals aber noch nicht absehbar. „Erst die Diplomarbeit von Markus hat den Anstoß zur Gründung gegeben“, sagt Haslinger. Wenn die beiden ihr Produkt vorstellen, sind die Reaktionen anfangs oft ähnlich. „Bei den Präsentationen sind die Entwickler oft skeptisch und fragen sich, wie wir zu unseren Ergebnissen kommen, sobald aber klar ist, wie unser Produkt eigentlich funktioniert, sind sie von der Zeitersparnis überzeugt und wollen es gleich anwenden“, sagt Zimmermann. Tatsächlich ist der Algorithmus komplex. Zimmermann: „Zwei Jahre vor Symflower habe ich mit intensiver Recherche verbracht, viele Dinge ausprobiert und überlegt, welche Technologien wir überhaupt verwenden.“

 

Der Vorteil der Gründer am Markt: Die meisten anderen Start-ups in diesem Bereich setzen nicht auf eine vollständige, sondern nur auf eine teilweise Automatisierung der Fehlersuche. Derzeit müssen die Symflower-Analysen noch gemeinsam in Abstimmung der Gründer direkt beim Kunden abgewickelt werden, ab 2020 wollen die beiden das Produkt aus der Hand geben. „Unsere Kunden haben dann die Möglichkeit, selbst mit Symflower auf eigene Initiative nach Fehlern zu suchen“, sagt Zimmermann. Völliger Ersatz ist Symflower für Entwickler und Qualitätssicherer übrigens nicht. „Die komplizierte und aufwendige Fehlersuche automatisieren wir zwar, das Ausbessern dieser Fehler müssen aber immer noch Menschen erledigen“, erklärt Haslinger.

Derzeit umfasst das Symflower-Team sechs Personen, es werden aber weitere Developer gesucht. „Bis Ende kommenden Jahres wollen wir auf fünfzehn Leute anwachsen“, sagt Haslinger. Die Symflower-Kunden sind derzeit hauptsächlich in Österreich beheimatet, das soll sich mittelfristig aber ändern. „Wir wollen der Player schlechthin am Unit-Testing-Markt werden, jeder soll in diesem Bereich zukünftig wissen, dass er da am besten zu Symflower in Linz geht“, sagt Zimmermann.

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