Fishcon: Die Fischwanderführer

Bernhard Mayrhofer und Alkisti Stergiopoulou von Fishcon machen Flüsse barrierefrei. Für Fische.

Das Bemühen um Barrierefreiheit ist übermenschlich geworden: Mittlerweile erstreckt es sich schon bis ins Tierreich hinein. Denn mit der Wasserrahmenrichtlinie erlegt die Europäische Union ihren Mitgliedern die Verpflichtung auf, Europas Flüsse bis 2027 durchgängig passierbar zu machen. Um deren Wassergüte zu verbessern und den Fischen darin ihre alten Wanderrouten wieder zu eröffnen. Das bedeutet nichts weniger, als viele künstliche Hindernisse wie Kraftwerke, Wehren und Hochwasserschutzbauten mit Fischwanderhilfen auszustatten.
Für die in Linz ansässige Fishcon ist das die Geschäftsgelegenheit schlechthin: "In Österreichs Gewässern gibt es mindestens 30.000 solche Querbauwerke", rückt Fishcon-Gründer Bernhard Mayrhofer die laienhafte Fehleinschätzung zurecht, dass der Aufstiegshilfenbau für Forelle und Co bloß ein wirtschaftlich bedeutungsloser Nebenschauplatz sei.

Wo Fische doppelt in die Röhre schauen
Zählt man die 55.000 Wasserquerbauten Deutschlands und die Fischwanderbarrieren in der Schweiz dazu, haben Mayrhofer und seine Partnerin Alkisti Stergiopoulou allein in der DACH-Region rund 100.000 potenzielle Abnehmer für ihre patentierte Fischwanderhilfe-Entwicklung, an der Mayrhofer seit 2015 unbeirrbar gearbeitet hat: Ein völlig neuartiges Zwei-Kammern-System mit einer hydraulischen Verschaltung über einen Rohrbogen mit einer Turbine. "Dass sie zusätzlichen Strom liefert, ist eine angenehme Nebenwirkung", erklärt der gelernte Elektro- und Energietechniker Mayrhofer, "in erster Linie bremst sie die Strömungsenergie des Wassers soweit herunter, dass auch kleine und schwache Fische bergauf schwimmen können."
Dazu ist jeweils eines der beiden Stahlrohre der Fischschleuse mit Natursteinboden passierbar, wozu die Kammern im Halbstundentakt abwechselnd geöffnet und geschlossen werden: "Die Fische können also auf beiden Seiten jederzeit einschwimmen." Rechen verhindern, dass Schwimmstoffe ins System oderg gar  Fische in den Rohrbogen zur Turbine geraten. Das konstruktive Knowhow hat sich Mayrhofer in seiner Bürozeit bei einem Wiener Wasserbauingenieur angeeignet.

Spart Platz und Wasser
"Es gibt mehrere große Vorteile", erläutert Mayrhofer die Assets der Fishcon-Anlage. "Erstens braucht sie viel weniger Platz als eine naturnahe Aufstiegshilfe mit einer Beckenkaskade. Und zweitens auch sehr wenig Wasser, was jeden Kraftwerksbetreiber freut, weil ihm dann mehr zur Energieerzeugung bleibt." Im Gegensatz zu anderen Wanderhilfen ist jene von Fishcon obendrein hochwassersicher: "Dann schließen wir einfach beide Rohre und lassen das Wasser über die Anlage rauschen, ohne dass man nachher wieder Geschiebe ausbaggern muss."
Auch wirtschaftlich ist das Fishcon-System anderen dann überlegen, wenn es mehr als 1,5 Metern Fallhöhe für die Fische passierbar zu machen gilt.
Den Proof of Concept hat das oberösterreichisch-griechische Start-up – Stergiopoulou tritt als Wasserbauingenieurin in die Fußstapfen ihres Vaters, der in Griechenland einen Lehrstuhl für Wasserbau innehat – bereits im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität für Bodenkultur mit einer Versuchsanlage im 19. Wiener Gemeindebezirk erbracht. "Wenn die Fische einmal mit der Anlage vertraut sind, benutzen sie die Wanderhilfe rege und schwimmen mehrmals in der Stunde durch", hat Mayrhofer im Probebetrieb beobachtet. Verletzungsfrei, wie er betont, was nicht bei allen Aufstiegssystemen selbstverständlich sei.

Almauftrieb fürs Geschäft
Weiteren Auftrieb erhofft sich Fishcon nun von der Alm: Im grünen Fluss zwischen dem Toten Gebirge und der Traun ist in einem Wasserkraftwerk zwischen Scharnstein und Grünau die erste Fishcon-Wanderhilfe im Wildwassereinsatz. Vorerst noch als Pilotanlage. "Da heißt es jetzt ein Jahr lang beobachten und Fische zählen", sagt Mayrhofer, "nur blöderweise ist dieser Abschnitt nicht sonderlich fischreich."
Die Baukosten für die Pilotanlage muss Fishcon zum Teil selbst tragen. Dennoch sind Mayrhofer und Stergiopoulou guter Dinge. Denn über das Pilotprojekt haben sie gleich zu ihrem Investor gefunden: Dem Pettenbacher Ökostromerzeuger und Elektro- sowie Metallbauer K. F. Drack, der die Pilotanlage nach den technischen Zeichnungen von Mayrhofer gebaut hat – und davon so angetan war, dass er sich gleich finanziell an Fishcon beteiligte. Drack wird auch die weiteren Fishcon-Systeme bauen, die es in vier fixen Standardgrößen geben wird.
Das Interesse daran ist bereits groß: Rund 50 konkrete Anfragen gibt es schon, und Mayrhofer rechnet damit, dass sich noch im Laufe des Jahres 2019 in mindestens einer weiteren Wanderhilfe Marke Fishcon Fische tummeln werden.

Bis das Geld in Strömen fließt
Bis die Fischwanderungen Geld in die Kassen von Fishcon spült, wird es nach Mayrhofers Schätzung noch etwas dauern: "Uns war von Anfang an klar, dass es ein langfristiges Projekt ist. Wenn wir schnell sind, können wir Ende 2019 oder Anfang 2020 auf den Markt gehen, und dann wird es weitere zwei bis drei Jahre dauern, bis wir Geld damit verdienen."
Kapital hat sich Fishcon über das eigene Ersparte bis dato vor allem durch das Gewinnen von Wettbewerben und das Lukrieren von Förderungen beschafft: Aus den Händen der FFG etwa sowie aus dem Klima- und Energiefonds. Seit Herbst vergangenen Jahres kann Fishcon auf die Unterstützung von tech2b zählen. "Das ist eine Riesenhilfe", freut sich Mayrhofer, "einerseits finanziell, andererseits aber auch in Sachen Vernetzung und Kontakten. Es ist sehr wertvoll, wenn man weiß, wen man anrufen kann, wenn man eine gewerberechtliche Frage hat, einen Patentanwalt braucht oder etwas zum Gründen wissen will."

Mehr zum Start-up Fishcon gibt's hier!

Fotos: tech2b/Andreas Balon

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