Ein Ohr, das sehen kann

[Quelle: Factory.net]

Ein akustisches Messgerät, das Schall optisch darstellt, hat ein Leondinger Start-up entwickelt. Einfach in der Bedienung, aber präzise im Ergebnis, lässt es den Markt aufhorchen.

Das Thema Akustik hat Thomas Rittenschober sein bisheriges Berufsleben über begleitet und begeistert. „Speziell das Sichtbarmachen von Schall mit akustischen Kameras, also das Verbinden von Hören und Sehen auf messtechnischer Ebene, ist nicht nur spannend“, so der Leondinger Firmengründer von Seven Bel, „sondern hat in der industriellen Praxis eine besondere Relevanz.“ Akustische Kameras unterstützen Ingenieure, Produkte und Prozesse gezielt leiser und lärmverträglicher zu machen. Es gibt aber ein Manko: „Am Markt befindliche Systeme sind groß, teuer und setzen Expertenwissen in der Bedienung voraus“, ergänzt der Experte, der 2018 sein Start-up gründete, „dies war der Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Technologie, die es ermöglicht, Schall auf einfache und mobile Art und Weise sichtbar zu machen.“ Die Zielgruppen sind breit gefächert: „Dementsprechend erreichen uns Kundenaufträge aus den Bereichen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Haushaltsgeräte und Bauphysik“, freut sich Rittenschober.

Günstige Lösung gefunden
Die Vorteile seiner Innovation sind die Kürze der Zeit, innerhalb derer man zu akustischen Bildern gelangt, und die hohe Bildqualität auch für industriell relevante Anwendungen. „Denn mit unserem Messsystem kann sogar tieffrequenter Schall qualitativ hochwertig erfasst werden“, erklärt Rittenschober, und verweist auf den kompakten Sensor, kostenattraktiven Preis – und eine Alleinstellung: „Wir sind der erste Anbieter eines Schall-Visualisierungssystems, das mit einem rotierenden Schallscanner und einer mobilen App funktioniert.“ Der Sensor sowie das Smartphone des Benutzers werden auf einem Stativ befestigt.

In der App wird die Messung gestartet, gleichzeitig wird der Sensor in Bewegung versetzt. Durch die Drehbewegung tastet dieser das Schallfeld fein ab und kommt so zu einem exakten Messergebnis. Die Berechnung der akustischen Daten erfolgt in der Cloud, am Handy werden die akustischen Daten als Heatmaps mit dem optischen Bild überlagert.

Netzwerke und Markt erobern
Der Name des Start-ups ist Programm: „Seven Bel entspricht siebzig Dezibel“, verrät Thomas Rittenschober, „das ist jener Schalldruckpegel, ab dem Dauerschallereignisse potenziell gesundheitsgefährdend sein können.“ Denn Produkte und Prozesse leiser und für Mensch und Umwelt verträglicher zu machen, gehört zur Firmenphilosophie. „Unsere Vision ist es, dass die Visualisierung von Schall als selbstverständlich gilt und ein natürlicher Prozess bei vielen akustischen Anwendungsfällen im industriellen und privaten Umfeld ist“, argumentiert der Firmengründer, der als CEO mit seiner Frau Barbara als CFO die Firma mit derzeit fünf Mitarbeitern leitet und einen Blick in die nahe Zukunft erlaubt: „Wir befinden uns derzeit in der Vorbereitung auf den Markteintritt mit unserem ersten Produkt in der 2. Jahreshälfte 2020!“

Mit Unterstützung seitens Austria Wirtschaftsservice (aws), FFG sowie des oberösterreichischen Start-up- Inkubators tech2b wird diese Produktentwicklung ermöglicht. Vernetzung gehört dazu, hochwertige Industriekontakte werden über tech2b mit der PIER4 Initiative sowie über das aws mithilfe der Corporate Matching Platform aws connect geknüpft.

Mehr zum Start-up Seven Bel gibt's hier!

tech2b/Andreas Balon
tech2b/Andreas Balon

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